Ultramarinblau (PB29) das mit einem Glasläufer zu Aquarellfarbe verarbeitet wird

Ultramarinblau – PB29

Disclaimer

Dieser Beitrag enthält unbezahlte Werbung, da ich konkrete Marken und Produkte nenne. Meine Einschätzungen basieren auf eigenen Erfahrungen beim Malen und Testen. Sofern nicht anders angegeben, wurden die Produkte selbst gekauft.

Ich teile hier mein Wissen und meine Eindrücke nach bestem Gewissen – dennoch können sich Fehler einschleichen. Daher übernehme ich keine Gewähr für die Vollständigkeit und Richtigkeit.

Ultramarinblau ist ein leicht rotstichiges, warmes Blau mit beeindruckender Farbbrillanz. Kaum ein anderes Pigment besitzt eine so tiefe Leuchtkraft und zugleich eine so lange, faszinierende Geschichte.

Das Blau der Könige

Schon seit dem Mittelalter galt Ultramarin als eine der kostbarsten Farben überhaupt. Gewonnen wurde es aus dem Halbedelstein Lapis Lazuli, der vor allem in Afghanistan abgebaut wurde. Die Herstellung des Pigments war aufwendig und der Ertrag gering – entsprechend teuer war das Ergebnis. Zeitweise war echtes Ultramarin tatsächlich wertvoller als Gold und wurde daher nur für besonders bedeutende Motive eingesetzt, etwa für die Gewänder Marias in der Kirchenmalerei.

Erst im 19. Jahrhundert gelang es ein chemisch nahezu identisches Pigment herzustellen, das deutlich günstiger war. Dieses künstliche Ultramarin (Pigmentnummer PB29) ist heute der Standard in der Aquarellmalerei und überzeugt oft sogar durch eine besonders klare, intensive Farbwirkung.

Eigenschaften

Ultramarinblau zeigt in der Regel eine ausgeprägte Granulation. Um die Granulation zu fördern, sollte mit viel Wasser gemalt und Aquarellpapier mit etwas Textur verwendet werden. Besonders gut eignen sich deshalb Papiere vom Typ „Cold Press“ oder „Rough“. Ultramarinblau ist nicht stark färbend (engl.: non-staining) und kann deshalb gut wieder vom Papier angelöst und abgehoben werden.

Farbkombinationen

Eine klassische Kombination von Ultramarinblau ist mit warmen Erdtönen. Besonders gerne wird Ultramarin mit Sienna gebrannt oder Umbra gebrannt kombiniert. Ich persönlich mag die Kombination mit transparenten Eisenoxiden (PR101), da man durch das transparente Braun und die Granulation des Ultramarin ein texturiertes und gebrochenes Blau über Grau bis zu Braun erhält, je nach Mischungsverhältnis. Generell eignet sich Ultramarin in Kombination mit transparenten, stark färbenden (engl. staining) Farbtönen.

Swatches

Im Folgenden findest du einige Swatches. Die Muster habe habe ich auf Baumwollpapier erstellt und danach gescannt. Die Beispiele zeigen: Jede Variante hat sein ganz eigenen Eigenschaften!

Schmincke – Ultramarin feinst.

Schmincke bietet in der Horadam Reihe zwei Versionen von Ultramarin an: Das „klassische“ französische Ultramarin und Ultramarin feinst. Der wesentliche Unterschied soll in der Größe der Pigmente liegen: Ultramarin feinst. wird länger verarbeitet, sodass die Pigmentpartikel insgesamt feiner werden. Dadurch ist die Granulation weniger stark ausgeprägt. Das Muster unten zeigt, dass die Granulation tatsächlich merklich weniger ausgeprägt ist als bei den anderen Versionen.

Ich persönlich nutze diese Variante gerne wenn ich bewusst weniger Granulation möchte. Eine andere Alternative, die vom Farbton ähnlich ist, aber kaum Granulation aufweist, wäre Phthalo Saphirblau von Schmincke (PB15:6).

Daniel Smith – French Ultramarine

Die Version von Daniel Smith besitzt eine ausgeprägte Granulation. Der Farbton ist etwas dunkler als der von Ultramarin feinst. (Schmincke) und Ultramarin dunkel (Kremer). Ich finde diese Version ähnlich zu Ultramarine Deep von Holbein, wobei die Daniel Smith Version insgesamt das dunkelste Ultramarin in meinen Swatches war. Es ist aber zu beachten, dass obwohl die Swatches von Daniel Smith und Holbein ähnlich aussehen, die Haptik beider Farben sehr unterschiedlich ist: Die Daniel Smith Variante schießt geradezu in das feuchte Papier, typisch für Farben von Daniel Smith. Die Variante von Holbein hingegen bleibt eher dort wo man die Farbe hinsetzt und verläuft weniger. Ich nutze deshalb die Daniel Smith Variante gerne für etwas expressivere Teile, bei denen ich das Pigment seinen eigenen Weg suchen lasse.

Holbein – Ultramarine Deep

Ein schönes Ultramarinblau mit ebenfalls ausgeprägter Granulation. Vom Farbton her ähnlich zu Daniel Smith, jedoch etwas chromatischer.

Kremer – Ultramarinblau dunkel (eigene Herstellung)

Diese Farbe habe ich selbst mit dem Pigment von Kremer angerieben (das Titelbild zeigt das Anreiben der Farbe mit dem Glasläufer). Hierfür habe ich selbst einen Aquarellbinder auf Basis von Aquazol hergestellt. Persönlich mein Favorit – und das nicht nur weil ich es mit eigenen Händen angerieben habe. Das Blau ist besonders chromatisch und leuchtend im Vollton. Mit mehr Wasser kommt dann eine sehr schöne Granulation zum Vorschein. Von allen Farben, ist diese Version am deckendsten. Ich kann jedoch nicht sagen, ob das am Pigment liegt oder ich einfach besonders viel Pigment in meiner Farbe habe.

Ein Bild, in dem ich diese Farbe sehr intensiv verwendet habe, ist „Federpracht in Ultramarin“. Dieses Ultramarin bringt das Federkleid des Hyazinth Aras zum Leuchten.